In epd medien vom Juni erschien eine Besprechung des Films von Renate Stinn, aus der wir zitieren:
“Was Irene Langemann, trotz Behinderung durch Miliz und Sicherheitsdienst FSO, hier über 90 Minuten zeigt, ist mehr als beeindruckend, ist in jeder Sequenz höchst faszinierend. Sie kommt ohne Kommentar aus, d.h. sie kommentiert unentwegt, mit jedem Bild, mit jedem Schnitt, wie das alles zueinander, miteinander komponiert ist, was wem folgt und wann. Es ist eine hochraffinierte, intelligente, sezierende Arbeit, wie von kalter Wut erstellt. So sind auch die Bilder von Maxim Tarasjugin, die leidenschaftslos wirken, neutral.
Und doch unglaublich entlarvend sind. Die schönste und stärkste ‚Erfindung’ der Regisseurin ist der 12-jährige Junge Roma, der praktisch durch den Film führt, als Spielmeister agiert. Sie nutzt seine Unschuld für eine andere Perspektive, für ein naives Nachdenken über Russland, über Demokratie, Korruption, ja auch über ein wohnliches Zuhause. Anfangs zeichnet Roma Moskau und die Dörfer der Rubljovka am Tisch im Wäldchen seiner Eltern, sie Architektin, er Physiker, Nachfahre der Zaren. Ihr Haus ist echt verrückt, schief, wie aus Versatzstücken gebaut, nichts ist fertig. Nur im Modell: Terrasse auf Rädern, Wiese, unterirdische Gänge. Sie nennen es Dekonstruktivismus, sehen die Natur als größten Architekten. Roma gefällt das, nur – wann wird er in seinem Zimmer wohnen können?”
http://www.epd.de/medien/medien_index.html
Die ganze Kritik ist lesenswert und formuliert sehr nahe an dem Denken und Fühlen der Regisseurin Irene Langemann. Danke.